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2026_06_13 - „Von der Straße zum Aktionstag“ – Tagung des Frauen*Salons in NRW, Netzwerk zur Selbstvertretung von Frauen mit Wohnungslosigkeitserfahrung

2026_06_13 - „Von der Straße zum Aktionstag“ – Tagung des Frauen*Salons in NRW, Netzwerk zur Selbstvertretung von Frauen mit Wohnungslosigkeitserfahrung

Guten Tag,

das Thema des heutigen Newsletters ist der Frauen*Salon - ein Netzwerk wohnungslosigkeitserfahrener Frauen* innerhalb der Wohnungslosenlosen_Stiftung.

Denen, die oft nicht gehört werden, eine Stimme geben

Die Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) widmet dem Frauen*Salon in der neuesten Ausgabe ihrer Broschüre mehrere Seiten voller Lob.

G.I.B.-Beiträge zur Arbeits- und Sozialpolitik 2026/08 - Armutsbekämpfung und Sozialplanung KOMPAKT

https://gib.nrw.de/wp-content/uploads/2026/05/GIB-Beitraege_2026-08_Politische_Beteiligung.pdf

Beschrieben werden Empowerment, Selbstwirksamkeit, politische Teilhabe, Sichtbarkeit und gelungene Beteiligungsprozesse. Das liest sich gut und macht sich hervorragend in Broschüren. Finanziert wurde das Treffen durch das nordrhein-westfälische Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) im Rahmen der Förderlinie „Stärkung der politischen Beteiligung Armutsbetroffener“. Auch dort dürfte man zufrieden sein: Das Projekt hat stattgefunden, die Ziele wurden erreicht, der Bericht ist geschrieben.

2025 manja portraitWeniger interessant scheint zu sein, was danach passiert. Dass Manja, eine der Initiatorinnen des Projekts, nach fünf Monaten guter und fairer Beschäftigung inzwischen wieder Bürgergeld beziehen muss und erneut der Willkür des Jobcenters ausgesetzt ist, findet in der Erfolgsgeschichte keinen Platz. Ebenso wenig die Tatsache, dass das MAGS kein Folgeprogramm aufgelegt hat, um die entstandenen Strukturen zu sichern.

Solange wohnungslose und ehemals wohnungslose Menschen als Beispiele gelungener Projekte dienen, sind sie gefragt. Wenn dieselben Menschen wenige Monate später wieder um ihre Existenz kämpfen müssen, wird es bemerkenswert still.

Der Artikel beschreibt damit unfreiwillig ein Grundproblem der deutschen Armuts- und Sozialpolitik. Die Erfahrungen armutserfahrener Menschen werden dokumentiert, ausgewertet und veröffentlicht. Ihre Lebensrealität bleibt dagegen oft erstaunlich unverändert. Auf der einen Seite stehen gut bezahlte Beamte in Ministerien wie dem MAGS und Mitarbeiter*innen in nachgeordneten Institutionen wie der G.I.B. – mit sicheren Jobs, stabilen Arbeitsverhältnissen und der Möglichkeit, Armut als Gegenstand von Programmen, Konzepten und Berichten zu bearbeiten.

Auf der anderen Seite stehen Menschen im Bürgergeldbezug, deren Alltag von Existenzängsten, finanzieller Unsicherheit und der direkten Abhängigkeit von Entscheidungen der Jobcenter geprägt ist – Entscheidungen, die über Wohnen, Ernährung und Lebensperspektiven mitbestimmen können.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie erfolgreich das Projekt war. Die entscheidende Frage lautet, warum eine der Frauen, die heute als Beispiel gelungener Beteiligung präsentiert wird, wenige Monate später wieder im Bürgergeldsystem festhängt – und warum weder G.I.B. noch MAGS darin offenbar einen politischen Handlungsauftrag erkennen.

Wir lernen: Solange wohnungslose und ehemals wohnungslose Menschen als Beispiele gelungener Projekte dienen, sind sie gefragt. Wenn dieselben Menschen wenige Monate später wieder um ihre Existenz kämpfen müssen, wird es bemerkenswert still. Gut bezahlte Menschen in Ministerien, Fachverbänden und Sozialunternehmen mit sicheren Jobs und stabilen Arbeitsverhältnissen bearbeiten weiter die Armut anderer als Gegenstand von Programmen, Konzepten und Berichten.

Nachstehend findet Ihr den abgedruckten Text. 

Solidarische Grüße, Stefan

PS: Manja hat – nachdem sie den ersten Entwurf dieses Newsletters erhalten hatte – umgehend angerufen und gesagt, es solle noch erwähnt werden, dass die Arbeit des Frauen*Salons natürlich weitergeht. Trotz knappem Bürgergeld, trotz Existenzängsten, einfach aus der Überzeugung heraus, dass dieser geschützte Brückenraum wichtig ist – für die beteiligten Frauen selbst und für die, die ihn noch kennen lernen werden.

Und ja: Wer die Arbeit des Frauen*Salons unterstützen möchte, kann das gerne tun, vorzugsweise mit einem regelmässigen monatlichen Solidarbeitrag auf das Spendenkonto der Wohnungslosen_Stiftung. Vergesst nicht das Stichwort: Frauen*Salon

Spendenkonto

IBAN: DE60 3702 0500 0001 8534 01
BIC: BFSWDE33XXX
Bank: Sozialbank

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Förderprogramm zur Unterstützung der politischen Beteiligung von Menschen mit Armutserfahrung in Nordrhein-Westfalen

 „Von der Straße zum Aktionstag“ – Tagung des Frauen*Salons in NRW, Netzwerk zur Selbstvertretung von Frauen mit Wohnungslosigkeitserfahrung

Mit Wohnungslosigkeit fallen für viele Menschen in dieser Lebenslage Erfahrungen von Armut, gesellschaftlichem Ausschluss und Schutzlosigkeit zusammen. Dies gilt besonders für Frauen. Der Frauen*Salon unter dem Dach der Wohnungslosen_Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, der Unsichtbarkeit und Isolation wohnungsloser Frauen einen digitalen Vernetzungs-, Austausch- und Informationsraum entgegenzusetzen – das Sternchen steht dafür, dass alle Menschen, die sich als Frau verstehen, dort willkommen sind. Indem die eigene Lebenslage als Folge struktureller Defizite und nicht als persönliches Versagen erkannt wird, kann die erfahrene Beschämung entkräftet werden und Selbstwirksamkeitsüberzeugung wachsen. Der Unterstrich im Namen der Berliner Stiftung steht dabei symbolisch für die Leerstelle, die der fehlende Wohnraum für die Gesellschaft bedeutet.

Die Förderlinie „Stärkung der politischen Beteiligung Armutsbetroffener“ des nordrhein-westfälischen Programmaufrufs ermöglichte die Durchführung eines Treffens des Frauen*Salons für wohnungslose Frauen vom 24. bis 26. November 2025 im Haus am Turm der evangelischen Tagungs- und Begegnungsstätte in Essen. Zentraler Ansatz war das persönliche und politische Empowerment für die Teilnehmerinnen.

FrauensalonRund 25 Teilnehmerinnen bewegten sich in den drei Tagen in einem geschützten Rahmen, der Raum für Gemeinschaftserleben, Stärkung der Selbstwirksamkeit, die gemeinsame Entwicklung von politischen Positionen und Workshops zur Stärkung von politischer Betätigung bot. Durch die terminliche Anlehnung an den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November entstand eine unmittelbare Verbindung von politischer Theorie und Praxis. Die in Workshops erarbeiteten Techniken und Instrumente zur Stärkung und Qualifizierung der politischen Praxis für diese gesellschaftliche Gruppe, die Ausgrenzung und Gewalt erlebt, mündeten in eine konkrete politische Aktion: die gemeinsame Teilnahme an einer Demonstration zum Gedenk- und Aktionstag.

In Trainings wurden Grundlagen der Medienarbeit, der Umgang mit Anfragen, die Vorbereitung kurzer Statements sowie die sichere Darstellung eigener Positionen und Perspektiven als Vertreterinnen einer vulnerablen Gruppe vermittelt. Kreativwerkstätten zu Collagen, Mal- und weiteren Ausdrucksformen schafften Gelegenheiten, persönliche Erfahrungen sichtbar und gemeinsam nutzbar zu machen.

Das niedrigschwellige und partizipativ konzipierte Begegnungs-, Austausch- und Entwicklungsformat bot den aus ganz Deutschland angereisten Frauen einen kostenlosen Zugang – anders wäre ihnen eine Teilnahme gar nicht möglich gewesen. Gerade die noch akut wohnungslosen Frauen fanden in den drei Tagen in Essen auch einen Erholungsraum durch einen sicheren, warmen und trockenen Aufenthalt sowie ungehinderten Zugang zu Hygienemöglichkeiten und selbstbestimmte Nahrungsaufnahme.

Die Stärkung der Selbstwirksamkeit erfolgte sowohl durch praxisnahe Trainings zu diversen Themen, wie etwa Zugang zu Wohnraum, Gesundheitsversorgung, Rechtsfragen, Arbeit und Ausbildung, als auch durch den wertschätzenden und achtsamen Austausch über die individuellen Lebenslagen der Expertinnen in eigener Sache.

Die Initiatorinnen des Projekts – Manja Starke aus Heimbach und Janita Juvonen aus Essen – brachten als Erfahrungsexpertinnen ihre Expertise auch hinsichtlich der notwendigen Rahmenbedingungen und der achtsamen Durchführung der Präsenztage ein. Sie wurden dabei von der Wohnungslosen_Stiftung unterstützt. Die weiterhin laufende Zusammenarbeit mit der Stiftung zielt darauf ab, die armutserfahrenen Frauen zu hören, sichtbar zu machen und ihnen Gestaltungsräume zu eröffnen.

Als zentraler Erfolgsfaktor für das Treffen hat sich der partizipative Vorbereitungsprozess erwiesen. Armutserfahrene potenzielle Teilnehmerinnen hatten online die Möglichkeit, Anliegen und Themen einzubringen, die im Verlauf des Treffens aufgegriffen wurden. Diese Vorbereitung stärkte das Gefühl der Mitbestimmung und sorgte dafür, dass die Inhalte nah an den Interessen der Teilnehmenden orientiert waren.

Das Prinzip der Partizipation bei Planung, Organisation und Durchführung des dreitägigen Austauschtreffens erforderte dabei einen konstruktiven Umgang mit den individuellen Möglichkeiten des Engagements der einzelnen Frauen. Jahrelange, teilweise lebenslange soziale und ökonomische Benachteiligungen und Gewalterfahrungen haben sich in die armutserfahrenen Frauen eingeschrieben. Unbedingte Freiwilligkeit bezüglich der Teilnahme an Angeboten, verabredete allseitige Achtsamkeit in triggernden Situationen und nicht zuletzt die zwei- bis dreifache Besetzung bei Diensten und Aufgaben zur Durchführung des Treffens – vom Spüldienst bis zur Austauschmoderation – zeigten im reibungslosen Ablauf wie auch in der ebenso engagierten wie entspannten Atmosphäre während der Tagung ihre Wirkung. In diesen Elementen bewies sich insbesondere die Unabdingbarkeit partizipativer Prozesse, und die aus der eigenen Erfahrung resultierende Expertise ermöglichte letztlich die Beachtung dieser erfolgskritischen Faktoren.

Durch die Mischung aus einem achtsamen und solidarischen Miteinander der Teilnehmerinnen, gezieltem Empowerment, politischer Bildung, kreativen Formaten und politischer Praxis entstand ein Ort, an dem die Erfahrungen wohnungsloser Frauen anerkannt und ihre Stimmen gestärkt wurden, sie Sichtbarkeit erlangten und konkrete Schritte für Veränderungen formuliert werden konnten.

Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Treffen bilden für die Teilnehmerinnen eine Grundlage, sich weiterhin für die öffentliche Wahrnehmung und Verbesserung der Lebenslagen wohnungsloser Frauen, auch in eigener Sache, einzusetzen und mit relevanten politischen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren proaktiv in Austausch zu treten.

INFOBOX
EXTERNE ANSPRECHPERSONEN

Manja Starke
Wohnungslosen_Stiftung
manja.starke at wohnungslosenstiftung.org
Stefan Schneider
Wohnungslosen_Stiftung
stefan.schneider at wohnungslosenstiftung.org
AUTORINNEN
Lisa Bartling und Susanne Marx

 

 

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Das ist eine Nachricht von

Stefan Schneider / Wohnungslosen_Stiftung
Gesellschaft für Selbstvertretung wohnungsloser Menschen
und Empowerment auf Augenhöhe gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)

Freistellungsbescheid vom 04.04.2023
für gemeinnützige und mildtätige Zwecke
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Die Wohnungslosen_Stiftung ist der Interessenverband von Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung im deutschsprachigen Raum. Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung sich austauschen, vernetzen und ihre Anliegen angstfrei äußern können.

In unserem offenen Netzwerk engagieren sich über 120 Menschen mit eigener Erfahrung, Gruppen, Initiativen, Bündnisse, Vereine und Unterstützer:innen – gemeinsam und auf Augenhöhe. Zweimal im Jahr organisieren wir offene Netzwerktreffen an wechselnden Orten, um den Austausch und die Zusammenarbeit zu stärken, politische Forderungen zu erarbeiten und gemeinsame Aktionen zu planen. Unser kostenloser Newsletter erreicht über 6.000 Interessierte und informiert unregelmäßig über Themen wie Wohnungslosigkeit, Empowerment und Selbstvertretung.

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